Sportvg Feuerbach Info 01/2012

6 Sportvg Feuerbach Rolf Schneider „Haben unser Hauptproblem gelöst“ Rolf Schneider ist 2012 seit zehn Jahren im Amt. Der Präsident der Sportvereinigung Feuerbach sprach mit Katrin Lebherz über das vergangene Jahrzehnt und die aktuellen und künftigen Aufgaben, die er angehen möchte. Herr Schneider, seit nunmehr zehn Jahren führen Sie den Großverein. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück? Insgesamt hat sich in den vergangenen zehn Jahren sehr viel bei der Sportvereini- gung geändert, glücklicherweise zum Guten. Es war eine schöne Zeit, aber auch in manchen Phasen sehr anstrengend. Als ich das Amt übernommen habe, stand der Verein aus unterschiedlichsten Gründen vor dem finanziellen Kollaps. Vorrangig ging es damals darum, wie man trotz klammer Kassen den Sportbetrieb auf- recht erhalten konnte. Zugleich standen Gespräche mit unseren Banken auf der Tagesordnung, da es schlichtweg um die Liquidität unseres Vereins ging. Diese Situation war nicht einfach für uns alle. Was hat Sie bewogen, sich in dieser Zeit insgesamt viermal als Präsident zur Wahl zu stellen? Ich habe immer daran geglaubt, dass sich der Einsatz für den Erhalt der Sportvg lohnt. Ohne diese Motivation wäre es vermutlich mitunter schwierig geworden. Nach vielen Gesprächen haben wir irgendwann einen hellen Streifen Hoffnung gesehen am Horizont – wir konnten unseren Banken und auch der Stadt glaubhaft darstellen, dass wir alleine nicht in der Lage sein wür- den, den Verein zu retten. Geholfen hierbei hat uns ein Gutachten des renommierten Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ebner, Stolz und Partner, in dem das wirtschaft- liche Potential des Vereins analysiert und Verkäufe und Auslagerungen geprüft wur- den und was letztendlich zu einem genau ausgearbeiteten Sanierungsplan führte. Dieser bildete die Basis für weitergehende Gespräche mit den Banken und der Stadt Stuttgart für den Forderungsverzicht und die Bürgschaft. 2007 erzielten Sie nach vielen Jahren intensiven Verhandelns den eben schon angesprochenen Forderungsverzicht, der wiederum Grundlage für eine Bürgschaft der Stadt über 1 Million Euro bildete. Können Sie sich noch an den 1. Januar 2008 erinnern? Was ich genau gemacht habe an diesem Tag, weiß ich nicht mehr. Sicherlich aber war es der Auftakt zu einem Jahr, in dem wir als Verein das erste Mal wieder aktiv nach vorne blicken konnten. In 2008 konn- ten wir somit nicht nur das 125-jährige Bestehen feiern, sondern auch den wirk- lichen Neuanfang der Sportvereinigung Feuerbach. Wir konnten uns endlich den seit Jahren fälligen Sanierungen unserer Sportstätten widmen und wieder agieren, anstatt über viele Jahre hinweg stets nur zu reagieren. Auch für unsere Abteilungen war das ein unglaublich wichtiges Signal. Ohne Frage kann man hier von einem großen Erfolg während Ihrer Amtszeit sprechen. Erfüllt Sie dies mit Stolz? …(lacht) Ja, in der Tat bin ich in diesem Fall schon ein wenig stolz, dass wir dies ge- meinsam geschafft und durchgestanden haben. Wir haben unser Hauptproblem glücklicherweise gelöst und unser Standing im Stuttgarter Norden hat sich dadurch deutlich verbessert. Wir werden wieder wahrgenommen als Sprachrohr, haben bei zahlreichen Projekten im Stadtbezirk eine Leitungsfunktion übernommen und neh- men wieder einen Stellenwert ein, der uns allen im Verein guttut. Gleichwohl aber darf nicht außeracht gelassen werden, dass wir auch heute noch vor großen Heraus- forderungen stehen. …und die wären? Insgesamt müssen wir uns als Großverein dem Thema der Ganztagesschule stellen. Zugleich müssen wir gemeinsam mit den Abteilungen daran arbeiten, wie wir Syner- gien und damit Entwicklungsmöglichkeiten in der jeweiligen Sportart schaffen können in Zeiten, in denen immer weniger Menschen bereit sind, sich längerfristig ehrenamtlich zu engagieren. Hier ist es wichtig, die Abteilungen mehr und mehr von Verwaltungstätigkeiten zu entlasten und ihnen zu helfen, sich auf den Teil der Arbeit konzentrieren zu können, der im Sportbereich noch ehrenamtlich leistbar ist. Mit der Struktur eines Großvereins haben wir da sicherlich eine hervorragende Ausgangsposition. Wichtig ist mir auch, dass wir uns dafür einsetzen, Kindern die Freude an der Bewegung zu vermitteln. Hier müssen wir neue Wege gehen und beispielsweise die Kooperationen mit den Kitas im Stuttgarter Norden intensivieren. Wir haben bewusst auf den Bau eines Sportkindergartens verzichtet und uns als Ziel gesetzt, mit den bestehenden Einrich- tungen viel enger zu kooperieren. Damit möchten wir dazu beitragen, einer Vielzahl von Kindern eine Förderung über ein breites Bewegungsangebot zu bieten. Ein anderes Ziel wird sein, zwischen den unterschied- lichen Vereinen, die im Wilhelm-Braun- Sportpark angesiedelt sind, stärker zu kooperieren und Synergien, beispielsweise bei der Platzpflege zu schaffen. Es gibt also auch weiterhin viel zu tun.

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